Entwertet

Waren das noch Zeiten, als ich als kleiner Junge die Papierkörbe nach Briefmarken absuchte – und sogar in aller Regel fündig wurde. Heute bekomme ich die Umschläge eines kleinen Familienbetriebs frei Haus. Und wie sieht die Ausbeute aus? Ungefähr so:

Kiloware
Selbst die Dauermarken geraten in die Minderheit. In Deutschland scheint alles nur noch auf selbstklebende Briefmarken ausgerichtet zu sein, von denen einige wenige das Frankaturbild dominieren. Von der Stempelqualität mag man gar nicht mehr reden. Wer nicht seine Briefe zur Post bringt und freundlich um saubere Stempel für Sammler bittet, der hat gar keine Chance mehr. Im Schreibwarenladen bei mir um die Ecke bekam ich sogar schon mal den Stempel in die Hand gedrückt, weil die Frau hinter dem Tresen mit meinem Wunsch gar nichts anfangen konnte.

Wenn ich nach “Sondermarken in Zehnerbögen (die Post nennt sie “nass klebend”) frage, gibt’s in aller Regel ein “Ham wir leider gerade nicht” als Antwort. Und hat irgendjemand schon einmal die teilgezähnten Blumen-Marken in seiner Post gesehen?

Als junger Sammler habe ich mich noch naiv gefragt, wie denn jemand USA oder Großbritannien sammeln kann, wo doch praktisch alle Marken nur Werbe- oder Wellenstempel tragen. Wer Neuheiten zusammentragen will, muss entweder sehr viel Geduld haben oder die Marken gleich gestempelt kaufen, was aber nur einer riesigen Wertvernichtung gleich kommt. Nicht jammern, Alternativen suchen!

Ein Gedanke zu “Entwertet

  1. Da war doch mal eine Zeit ohne Briefmarken, genannt Vorphilatelie. Solche Belege erzielen heute hohe Preise. Dann wurden Marken und Ganzsachen eingeführt. Philatelisten sammeln also alles Postalische. Dabei muss man klar sehen, dass die Postverwaltungen ihre Leistungen dem Postbenutzer anbieten und mit der Zeit, der Technik und dem Bedarf gehen müssen. Und Sammler sammeln eben das, was es so gibt. Bei manchen Leuten, die immer nur über die Qualität jammern, habe ich das Gefühl, dass diese sich Zeiten von vor 100 Jahren zurückwünschen, wo es in jedem Kuhdorf ein Postamt mit Handstempel gab. Die Zeiten sind vorbei und wir werden es akzeptieren müssen, dass es fast nur noch selbstklebende Marken und Ganzsachen oder bar frankierte Post (wie in der Vorphilatelie) gibt. Die Post hat aus ökonomischen Gründen gar kein Interesse sich den Sammlerwünschen zu beugen. Der Sammler kann für sich selbst entscheiden, ob er mit der Entwicklung mit geht und Maschinenstempel, Barfrankierungen als Normalität des postalischen Alltags sammelt oder nicht. Als sehr aktiver Sammler finde ich es anmaßend der Post latent vorschreiben zu wollen sammlergerecht zu produzieren und zu arbeiten. Die Qualitätskriterien wurden und werden stets von Sammlern und Katalogredaktionen gemacht. Hier ist wohl ein Umdenken notwendig bzw. ein Anpassen der Kriterien an moderne Gegebenheiten. Ich sammle was es gibt und sehe das als “Bedarfspost” an, wo doch so oft Sammlerpost verpönt ist. Versuchen Sie doch einmal eine Sammlung BRD ab 1960 FDC oder ETB zu verkaufen. Alles sauber gestempelte Ware, schön bunt und dekorativ und kaum das Papier wert! Das sind die Fakten!

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