Island – was nicht im Michel steht

Schön, wenn das eigene Sammelgebiet einmal Titelthema im Briefmarkenspiegel ist. Noch schöner wäre es gewesen, wenn es auch irgendwelche philatelischen Informationen gegeben hätte. Dabei bietet gerade Island einige wunderbare Möglichkeiten, sich zu spezialisieren. Vor allem die Zeit von ca. 1900 bis zur Selbstständigkeit 1944 bietet viele Besonderheiten, die nicht im Michel stehen. Ein paar Beispiele:

Nirgendwo sonst wurden Nummernstempel so lange verwendet wie auf Island – nämlich mindestens bis 1970. Eingeführt wurden die Stempel mit den Nummern 1 bis 300 in den Jahren 1903 bis 1905 auf den Briefsammelstellen, wobei viele der Stempel in mehreren Orten genutzt wurden. Sehr häufig sind die Nummernstempel auf der Doppelkönig-Ausgabe (Michel-Nr. 48/62 und 76/82) zu finden. In späteren Jahren setzten sich dann mehr und mehr gewöhnliche Ortsstempel durch. Ab den 1930er-Jahren sind Nummernstempel wirklich knapp. Allein das Zusammentragen aller 300 Zahlen ist schon eine philatelische Lebensaufgabe, zumal viele Marken durch einen Teilabschlag des Stempels unbrauchbar sind. Man sollte schon die komplette Nummer lesen können. Dazu gibt es Typenunterschiede (ab Nummer 211 sind die Stempelkreise deutlich kleiner, die Zahlen dafür größer). Und bisweilen ist es noch nicht einmal klar, wann und wo exakt welcher Stempel eingesetzt wurde.

Vorläufer sind übrigens die Kronenstempel ab 1894, auf denen ein Ortsname, eine Krone und ein Posthorn zu erkennen sind, aber kein Stempeldatum. Noch ein paar Jahrzehnte zuvor waren in Reykjavik dänische Marken mit den Nummernstempeln 236 und 237 verwendet worden – heute echte Raritäten. Literatur zu alten Stempeln bietet besonders die Föreningen Islandssamlarna auf Schwedisch und Englisch.

Tollur

Anderes Thema: Warum hat die isländische Post ab 1924 ein paar Jahre lang teure Aufdruckmarken mit einem Nennwert bis zu 10 Kronen herausgegeben? Weil vom 1. August 1924 an bis 1938 Zollgebühren mit Marken entrichtet wurden. Hierfür waren besonders die hohen Nennwerte nötig, die häufig sogar in Einheiten vorkommen. Mit Poststempeln wären solche Stücke absolute Raritäten, da von den Auflagen zwischen 21.000 und 80.000 die Mehrzahl durch den Zoll entwertet wurden. Bisweilen kommt es aber auch vor, dass Marken, die mit Poststempeln Massenware sind, mit Tollur-Entwertungen absolut selten sind, zum Beispiel die Michel-Nummern 86 und 100. Preise sind z.B. im Facit-Katalog oder online hier (in dänischen Kronen) zu finden.

Wer sich erst einmal vertieft, findet noch einige andere Möglichkeiten, eine Spezialsammlung anzulegen. Die unscheinbare Gullfoss-Ausgabe (Michel Nr. 150 – 155) bietet zum Beispiel diverse Zähnungsvarianten, die der Michel nicht kennt, lässt sich auch gut auf Briefen und Karten sammeln – dazu gibt es die schon erwähnten Nummern- und Tollur-Stempel sowie fiskalische Verwendungen.

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